AR-Brillen: Markt und Investitionen

Wer von Ihnen hat vor 10 Jahren damit gerechnet, dass Amazon der mit Abstand größte und mächtigste Online-Versandhändler der Welt wird? Oder das Apple einen Reingewinn von 55 Milliarden US-Dollar macht? Niemand! Solche Zumutungen sind unvorhersehbar, reinste Spekulation und äußerst risikobehaftet. Ähnlich steht es um die Behauptung, dass smarte Brillen das Smartphone prognostizierend ersetzen könnten. 

Wer sich letztendlich mit der Wachstumsthese smarter Brillen identifizieren kann, sollte sich folgende Frage stellen: Wie kann man davon profitieren?   Zunächst zählt zu wissen, welche Unternehmen es am Markt gibt und welche Unternehmen aktuell an der Entwicklung arbeiten. Ebenfalls interessant: Welche Drittlieferanten liefern externe Bauteile wie Beispielsweise den Prozessor? Wer diese Marktsituation erschließen konnte, muss wissen, welche dieser Unternehmen börsennotiert sind bzw. einer börsennotierten Dachorganisation angehören. Schlussendlich gilt anhand diverser Faktoren zu beurteilen, welche Brille sich zukünftig am Markt durchsetzen wird. 

BLICK AUF DAS MARKTWACHSTUM UND DEN ZEITRAUM

In der gegenwärtigen Zeit ist die optimale, technische Umsetzung von smarten Brillen nicht nur schwierig, sondern erst begrenzt möglich. In absehbarer Zukunft wird das anders aussehen.  Das zumutbare Potenzial von AR- bzw. MR-Brillen ist so hoch, dass die Brille das Smartphone in einigen Jahren ersetzen könnte. 

Ein langsames, aber kontinuierliches Marktwachstum spiegelt sich in den Verkaufszahlen wieder. Bis das Marktwachstum allerdings ein exponentielles Verhalten offenbart, wird es laut Technikunternehmen zwischen 5 bis 10 Jahren dauern. Großkonzerne wie Apple und Facebook arbeiten und investieren bereits seit langem in die Konstruktion von verbraucherorientierten AR-Brillen. Gerüchten zufolge plant Apple im bereits im Jahr 2023 eine mögliche Produkteinführung. Facebook zeigt sich optimistischer Ansicht und soll zusammen mit Brillenhersteller Ray-Ban ebenfalls aktiv an einer smarten Brille arbeiten. Diese Unternehmen kennzeichnen, dass das Marktpotenzial smarter Brillen nahezu utopisch ist. In den letzten Jahren tauchten immer mehr Großunternehmen am Markt auf.

Heute: Brillenpotenzial des aktuellen Marktes

Der Wachstumsmarkt hat sich in den letzen Jahren in der Konkurrenz wieder gespiegelt. Im verbraucherorientierten Markt führen zwei Brillen mit multifunktionaler Anwendung: Die erste Generation der Focals von North sowie die Vuzix Blade. Diese smarten Brillen sind zwar ausbaufähig, können diverse Smartwatches in der Anwendung allerdings ersetzen. Schon in naher Zukunft wird North die Focals 2.0 rausbringen, während Vuzix auf der ‘CES 2020’ eine neue, smarte Schwimmbrille vorstellte.

Der Markt ist allerdings weitaus größer. Die gezielte Anwendung von AR-Brillen im Sportbereich zeigt große Begeisterung. Besonders überzeugend sind smarte Rennradbrillen. Die Everysight Raptor (Elbit Systems) und auch die Solos-Glasses (Kopin) bringen den Rennradsport auf ein neues Level. Als erste smarte Schwimmbrille projiziert die Form-Brille alle wichtigen Infos auch unter Wasser ins reale Sichtfeld. Ebenfalls überzeugend punktet die Moverio von Druckerkonzern Epson durch den starken, technischen Fortschritt und cooler Drohnenfunktion. 

Mixed-Reality-Brillen projizieren realitätsnahe 3D-Hologramme in das normale Sichtfeld. Diese deutlich anspruchsvolle Technologie findet einen begrenzten Markt. Aktuell überzeugend ist vor allem die Hololens 2 von Microsoft, welche unternehmensorientiert im B2B-Bereich eingesetzt wird. Im verbraucherorientierten Markt und im Gaming-Bereich befindet sich Hersteller Magic Leap aktuell mit Startup Nreal in einem Rechtsstreit über geklaute Technologie. Beide Unternehmen möchten demnächst eine neue Mixed-Reality-Brille auf den Markt bringen! 

Prognose: Brillenpotenzial in der Zukunft

Allein 2020 bringt North die Focals 2.0, Vuzix seine neue Schwimmbrille und Nreal seine erste MR-Brille auf den Markt. Trotzdem ist der Druck für die Unternehmen der Szene ziemlich hoch. Denn Patentanmeldungen, Milliarden von Entwicklungskosten und immer mehr Gerüchte offenbaren, dass Technikgiganten wie Apple und auch Facebook ebenfalls an verbraucherorientierten Smart Glasses arbeiten! Facebook Chef Mark Zuckerberg und auch Apple-CEO Tim Cook schwärmten bereits vom zukünftigen Potenzial der AR-Brillen. 

Diese globale Großunternehmen kauften aufgrund von Patenten und technologischen Vorteilen bereits zahlreiche AR-Unternehmen und Startups der Szene  auf. Erst kürzlich kaufte Facebook das AR-Startup Scape Technologies für rund 40 Millionen Dollar, während Apple auch schon deutsche Unternehmen wie SensoMotoric Instruments geschluckt hat. Solange noch kein Release in Sicht ist, setzten die Technikkonzerne alles daran, ihre neue Technologie unter Dach und Fach zu halten. Fakt ist: Kein mittelständiges Unternehmen wie Vuzix kann dem Erfolg und Release einer Apple- bzw. Facebook-Brille im Weg stehen. Daher ist es fraglich, in aktuelle Unternehmen zu investieren.

In Bauteile investieren: Qualcomm's starker Prozessor

Anstatt auf die beste Brille zu spekulieren, kann es durchaus effizienter sein, auf einen Prozessor oder Akku mit dem maximalen Erfolgspotenzial zu setzen. In der Herstellung von smarten Brillen gibt es grundsätzlich mehr Eigenfertigung als Fremdbezug. Welche einzelnen Bestandteile fremd bezogen werden, ist im Normalfall einem sogenannten “Data-Sheet”  zu entnehmen. Während Kamera, Display, Mikrofon und Lautsprecher regelrecht aus eigener Produktion bezogen werden, ist der interne Bau eines leistungsgerechten Prozessors unmöglich. 

Das spiegelt sich in der Praxis wieder: Ein Großteil der smarten Brillen setzt CPUs bzw. Prozessoren von Qualcomm und Intel ein. Auch Microsoft setzt mit der neuen Version der Hololens statt einem Intel Atom CPU nun auf einen Qualcomm Prozessor. 

  • Vuzix M400 = Qualcomm SXR 1
  • North Focals = Qualcomm APQ8009w
  • Everysight Raptor = Qualcomm Snapdragon 410E
  • Epson Moverio = Intel Atom 1.44GHz QUad Cor

 Qualcomm und Intel gehören zu den weltweit größten Hersteller von Halbleitern und der Mobilfunkkommunikation. Qualcomm hatte sich 2019 in der Mobilfunktechnologie einen klaren Vorteil gegenüber Intel verschafft. Intel hingegen wirft dem Konkurrenten wettbewerbsrechtliche Verstöße vor und verkaufte seine Modem-Sparte inklusive der bisher entwickelten 5G-Produkte im Juli 2019 an Apple.

Möglichkeiten, in Smart Glasses investieren

Zunächst sollte deutlich werden: Eine Investition ist grundsätzlich nur möglich, wenn das jeweilige Unternehmen bereits einen Börsengang vollzogen hat bzw. einer börsennotierten Dachorganisation angehört. Daraus resultierend sind viele AR-Unternehmen nicht unbedingt verpflichtet, klare Zahlen vorzulegen. Wer kein millionenschwerer Investor ist, wird auch nicht in diverse Start Ups und Unternehmen der Szene investieren können! Folgende AR-Unternehmen sind Beispiels nicht börsennotiert:

  • North inc. (produziert die North Focals 1.0, zukünftig auch die ‘Focals 2.0‘)
  • Bosch GmbH (zukünftig die ‘BML500P‘)
Unbedingt zu beachten: Wenn ein Tochterunternehmen einer börsennotierten Dachorganisation angehört, dann ist es oftmals nur möglich, in Diese zu investieren. Damit wird entsprechend indirekt in den Erfolg des Tochterunternehmens investiert. Es gilt zu berücksichtigen, dass die smarten Brillen in diesem Fall nur einen minimal prozentualen Anteil des Produktportfolios ausmachen. Die börsennotierte Dachorganisation muss strategischen Fokus und Zielsetzung nicht unbedingt im Augmented-Reality-Markt platzieren!

Unternehmen am aktuellen Markt

UnternehmenBrille- 26 Millionen US-DollarKosten F. u. E. 2019Fokus Smartglasses
Vuzix Corp.Blade, M-Serie etc.-26 Millionen US-Dollar8,9 Millionen US-DollarMaximal
Elbit SystemsEverysight Raptor228 Millionen US-Dollar331 Millionen US-Dollarsehr gering
EpsonEpson Moveriohttps://global.epson.com/IR/https://global.epson.com/IR/sehr gering
MicrosoftHololens 2.040 Milliarden US-Dollar16 Milliarden US-DollarMinimal

Investition in Vuzix Corporation

Vuzix ist einer der führenden Hersteller von smarten Brillen und konzentriert sich im Kerngeschäft ausschließlich auf Smart Glasses. Allerdings schreibt Vuzix seit mehreren Jahren hohe Verluste und rote Zahlen. Das Unternehmen konnte sich zuletzt durch namenhafte Investoren und äußerst innovativen Produkten über Wasser halten. 

Vuzix Corporation ist eines der wenigen Unternehmen, welches sich ausschließlich auf Augmented-Reality Brillen fokussiert. Aktuell ist Vuzix einer der führenden Hersteller der Branche. Bei geringer Konkurrenz konnte sich das mittelständige Unternehmen aus New York mit überzeugenden Produkten einen Namen machen. In der M-Serie produziert Vuzix unternehmens- und prozessorientierte AR-Brillen. Seit 2018 gelingt dem Konzern mithilfe einer neuen “Wellenleiter-Technologie” die erfolgreiche Produktion der Vuzix Blade. Damit setzt das Unternehmen den Fokus primär auf verbraucherorientierte Brillen.

Hoch investierte Forschungsgelder lohnen sich: Auf der CES-2020 stellt Vuzix das Projekt “Vuzix Smart Swim” vor. Die neue, smarte Schwimmbrille ist CES-Preisträger. Neben “Form Swim” produziert Vuzix damit eine multifunktionale Schwimmbrille, welche neben Tracking ebenfalls unter Wasser streamen kann. Ganz klar: Vuzix ist ein innovatives Unternehmen, welches nicht unbedingt nur gewinnorientiert, sondern viel größer Denken möchte. Bei Vuzix geht es vielmehr darum, die Technologie zu revolutionieren und im Rennen einer verbraucherorientierten Smart Glasses ganz oben mitzuspielen! 

Um anspruchsvolle AR-Brillen zu entwickeln und auch zu verkaufen, benötigt man vor allem viel Kapital. Das ist ein erhebliches Problem, denn Vuzix schreibt bereits seit einigen Jahren rote Zahlen. Das Unternehmen verzeichnete 2019 einen Verlust von 26 Millionen US-Dollar. Auch 2018 und in den Jahren davor schreibt Vuzix hohe Verluste. Der Bruttogewinn aus dem Kerngeschäft lag 2018 allerdings bei 1,7 Millionen US-Dollar. Interessant ist: Die hohen Verluste resultieren aus äußerst hohen Forschungs- und Entwicklungskosten. 8,9 Millionen US-Dollar für Forschung und Entwicklung allein 2019. 2018 waren es sogar 10,4 Millionen US-Dollar. Diese Aufwendungen könnten sich bei Forschungserfolgen prognostizierend positiv auf Vuzix auswirken.

Damit ein Unternehmen überleben kann, muss es Gewinne machen und wachsen. Vuzix fährt allerdings seit einigen Jahren hohe Verluste ein. Trotzdem kann sich das mittelständige Unternehmen über Wasser halten. Deshalb lebt Vuzix primär durch Investoren. Intel investierte 2015 knapp 25 Millionen für 30 Prozent von Vuzix. In der Bilanz kennzeichnet Vuzix zusammen ein insgesamt eingezahltes Kapital von 168 Millionen Euro. Ob sich diese Summe prognostizierend auszahlen wird, hängt von zukünftigen Projekten und Produkten des Unternehmens ab.

Die roten Zahlen kennzeichnen den Verlustkurs der Vuzix Aktie. Knapp 8Euro zahlte der Aktionär Anfang 2018 für eine Aktie. Seitdem ist der Kurs der Aktie auf bis zu 1,28€ (Stand April 2020) gesunken. Einfacher Grund sind Verluste in Millionenhöhe.  

Investition in Elbit Systems Limited mit Everysight Ltd

Elbit Systems Ltd. ist ein isrealischer Raum- und Luftfahrtkonzern mit Sitz in Haifa. Mit dem Tochterunternehmen Everysight Ltd. produziert der Konzern eine smarte AR-Brille für den Rennradsport. Grundsätzlich ist Everysight zwar eine innovative Abzweigung, gehört allerdings aktuell (noch) nicht zum Kerngeschäft. Elbit Systems hat sich im Raum- und Luftfahrtbusiness einen großen Namen gemacht. Dazu gehören Beispielsweise Luftkraft- und Helikoptersysteme sowie Heads-Up Displays für Piloten. Unter anderem durch diese Display-Technologie konnte Everysight überzeugende AR-Brillen konstruieren. 

Die Raptor-Brille von Everysight gehört zu den führenden Smart Glasses weltweit. Sie ist die perfekte Abzweigung des Kerngeschäftes von Elbit Systems:  Die Raptor kann sich mit einem Großteil der Technologie des Konzerns identifizieren und Diese überzeugend einsetzen. Den Fokus setzt die AR-Brille auf den Radsport. Zurecht! Hier erfüllt die Raptor alle relevanten Anforderungen und kann sogar deutlich mehr! 

Alles über die multifunktionale, hochmoderne Rennradbrille erfährst du hier!

Die Zahlen kennzeichnen den Erfolg des Unternehmens: Bei einem Umsatz von mehr als 4,5 Milliarden US-Dollar schreibt das Unternehmen einen Reingewinn von über 228 Millionen US-Dollar allein im Jahr 2019. Die Kosten für Forschung und Entwicklung liegen bei 331Millionen Dollar. Im Kontrast zu den letzen zwei Jahren verzeichnet das Unternehmen bei diesen Zahlen ein starkes Wachstum.

 In der Bilanz zeigt sich Elbit Systems mit einem Gesamtvermögen von über 7,3 Milliarden US-Dollar ebenfalls optimistisch gegenüber dem Vorjahr 2018. Dabei beträgt die Eigenkapitalquote knapp unter 30 Prozent und ist mit einem hohen Anteil an Fremdkapital verbunden. Die Eigenkapitalrentabilität ist mit 10,5 Prozent im Jahr 2019 akzeptabel. 

Die Aktie von Elbit Systems liegt aktuell bei 11€ pro Aktie(Stand 05. April 2020). Im Jahr 2019 verzeichnete diese ein Wachstumsplus von über 50% und lag zwischenzeitlich bei fast 150Euro.  

Investition in Seiko Epson K. K.

Die Seiko Epson K.K. ist eine japanische Firma und gehört zu den weltweit größten Herstellern von Druckern, Scannern, Projektoren oder auch Industrierobotern. Die Epson-Gruppe beschäftigt weltweit 72.000 Mitarbeiter in insgesamt 88 Tochtergesellschaften. Unter anderem mithilfe der technologisch, überzeugenden Projektoren ist Epson eine erfolgreiche Abzweigung im AR-Markt gelungen. Heute hat die AR-Brille einen geringen Einfluss auf das Business des japanischen Multikonzerns. Das muss aber nicht so bleiben!

 

Die Abzweigung vom Kerngeschäft und zugleich ein Schritt in Richtung Zukunft, ist bei Epson unter dem Namen ‘Moverio‘ bekannt. Epson arbeitet ebenfalls mit hochmoderner Brillentechnologie und projiziert ein bemerkenswert gutes AR-Erlebnis. Bekannt wurde die Brille vor allem in Verbindung mit Drohnen. Dabei projiziert die Brille das Echtzeit-Bild der Drohne direkt in das Sichtfeld des Nutzers. Aber Epson strebt größeres an: Die Moverio soll stärker in den Alltag integriert werden. Dazu sollen Beispiels Denkmale oder auch Kunstwerke von der Brille identifiziert und anschließend informativ erweitert werden.

globaler Finanzbericht für die Seiko Epson K.K. unter:        https://global.epson.com/IR/

Die Epson-Aktie erlitt 2018 einen leichten Absturz von 20€ auf ca. 15€. Seitdem letzen zwei Jahren schwankt die Aktie stark unter der 15 Euro-Marke. Aktuell ist die Aktie aufgrund der Corona-Krise auf (Stand 05. April 2020) 8,55€ gefallen. Den größten Wachstumssprung macht die Aktie im Jahre 2013 und 2014. 

Investition in Microsoft Corporation

Microsoft zählt zu den größten und einflussreichsten Unternehmen dieser Welt. Aktuell steht Microsoft auf Platz 60 der Liste der weltweit größten Unternehmen. Bekannt ist Microsoft vor allem für Betriebssystem Windows oder die Bürosoftware Office. Der Großkonzern beschäftigt knapp 180.000 Mitarbeiter. Und auch im Mixed-Reality Bereich ist das Unternehmen aktiv:

Der Anteil, den die Mixed-Reality Brille am Geschäft des Technikgiganten hat, ist aktuell minimal. Doch bereits heute ist die Hololens 2 von Microsoft die führende Mixed-Reality Brille am Markt. Der Multikonzern hat sich auf den Ausbau einer unternehmens- und prozessorientierten Brille fokussiert. Demnach soll die Hololens zukünftig in Krankenhäusern, der Gesundheitspflege oder auch im Einzelhandel Softwarelösungen anbieten. Im Kontrast zur AR-Brille bietet Microsoft mit der Hololens 2.0 realitätsnahe 3D-Hologramme im Sichtfeld des Nutzers. 

Bei einem stark zunehmenden, technologischen Fortschritt und zukünftigen Generationen der Brille könnte Microsoft mit der Hololens ein revolutionierendes Businessmodel für Gesundheit, Bildung und Co. aufbauen. Das wird allerdings noch einige Jahre in Anspruch nehmen. Demnach ist es unsinnig, heute nur aufgrund der MR-Brille, und nicht wegen des Kerngeschäftes, in Microsoft zu investieren. 

Wir möchten einen kurzen Blick auf Microsofts bemerkenswerte Zahlen werfen. Bei einem Umsatz von 125 Milliarden US-Dollar machte der Technikkonzern 2019 einen Reingewinn von knapp 40 Milliarden US-Dollar. Allein 2019 investierte Microsoft 16 Milliarden Dollar in Kosten für Forschung und Entwicklung. In der Bilanz zeigt der Konzern ein Gesamtvermögen von sagenhaften 286 Milliarden US-Dollar und gehört damit zu den größten und einflussreichsten Unternehmen auf der ganzen Welt. 

Die Aktie von Microsoft liegt aktuell (04. April 2020) bei 141 Euro. Vor der Corona-Krise verzeichnete diese ein aufstrebendes, starkes Wachstum bis hin zur 170 Euro-Marke. 

Hersteller diverser Bauteile: Der Prozessor

IntelBauteilGewinn 2019Kosten für F.u.E
IntelProzessor21 Milliarden US-Dollar13 Milliarden US-Dollarsehr gering
QualcommProzessor4,4 Milliarden US-Dollar5,4 Milliarden US-Dollargering
KopinMicrodisplay- 29,4 Millionen US-Dollar13 Millionen US-Dollarhoch

Intel: Der größte Halbleiterhersteller

Intel produziert mehr Computerchips und Prozessoren als jede andere Firma auf der Welt und löste 2018 Samsung als größten Halbleiterhersteller ab. Immer wieder wird der Technikkonzern mit smarten Brillen in Verbindung gebracht. Einerseits als selbstständiger Hersteller von Prozessoren wie Beispiels in der Hololens 1.0 oder auch der Epson Moverio. In dieser Branche zieht Konkurrent Qualcomm Intel teilweise allerdings einen Strich durch die Rechnung: Hersteller von Smart Glasses greifen aktuell vermehrt auf Prozessoren von Qualcomm. Auch in der technologisch neuen 5G-Modem-Sparte muss Intel eine Niederlage und Milliardenverluste gegenüber Qualcomm akzeptieren. Mehr dazu hier!

Auf der anderen Seite wird es interessant: Intel investiert immer wieder große Geldsummen in AR-Unternehmen. 2015 kaufte Intel 30% der Anteile an Vuzix für 24,8 Millionen US-Dollar. Ebenfalls versuchte Intel vor einigen Jahren unter dem Namen “Vaunt”, selber eine AR-Brille zu produzieren. Der Konzern scheiterte letztendlich und verkaufte Rechte und Patente an North inc.. Laut einem Bericht von CNBC gehören ‘Intel Capital’ und auch ‘Amazon Alexa Fund’ Anteile von North. Das Unternehmen wird die Focals 2.0 2020 launchen und verkaufen.

Mit North und Vuzix gehören Intel damit Anteile an zwei der heute führenden Unternehmen für AR-Brillen. 

Im Kontrast zur Qualcomm bildet Intel eine ganz andere Größeneinheit. Der Chiphersteller macht 2019 einen jährlichen Umsatz von rund 71 Milliarden US-Dollar. Daraus resultiert ein Bruttogewinn des Kerngeschäftes von 42 Milliarden Dollar. Am Ende bleibt Intel ein Reingewinn von 21 Milliarden Dollar. Aufwendungen für Forschung und Entwicklung liegen jährlich bei 13,62 Milliarden Dollar, wobei Intel in der 5G-Modem-Sparte 2019 eine deutliche Niederlage verzeichnen musste. In der Bilanz kennzeichnet Intel ein Gesamtvermögen von rund 172 Milliarden US-Dollar. 

Die Intel-Aktie liegt aktuell bei rund 50€ (Stand: 05. April 2020). Zuletzt ist die Aktie durch die Corona-Krise gefallen. Die Aktie hat in den letzen Jahren stark geschwankt, zeigt grundsätzlich aber ein Wachstumsplus. Zuletzt lag Sie knapp über der 60€-Marke. 

Qualcomm - bei smarten Brillen stark vertreten

Qualcomm ist direkter Marktkonkurrent von Intel und hat sich in den letzten Jahren einen Namen gemacht. Heute zählt Qualcomm neben Intel und Samsung electronics zu den weltweit größten Chipherstellern. Auch im Bereich smarter Brillen überzeugt der Qualcomm-Prozessor. Brillen von Vuzix, Focals oder auch Everysight nutzen Bauteile von Qualcomm. Selbst die neuen iPhones in den kommenden 2 Jahren sollen auf Prozessoren von Qualcomm und deren 5G-Technologie setzten.  

Qualcomm produziert nicht nur Prozessoren als externe Bauteile, sondern verkündigte Ende 2019 die Arbeit an einer eigenständigen AR-Brille. Laut C-Net arbeitet Qualcomm dazu mit PokemonGo-Creator Niantic zusammen. 

Qualcomm verzeichnet 2019 einen Umsatz von rund 24 Milliarden US-Dollar. Daraus resultierte ein Reingewinn von fast 4,4 Milliarden US-Dollar. Für Qualcomm war dieser Gewinn von großer Relevanz, zumal das Unternehmen 2018 Verluste in Milliardenhöhe verzeichnen musste. 2019 liegt der Aufwand für Forschungs- und Entwicklungskosten bei knapp 5,4 Milliarden US-Dollar. Durch einen erfolgreichen Ausbau der 5G-Technologie, unter anderem auch auf dem chinesischen Markt, erwartet Qualcomm allein im ersten Quartal 2020 einen Umsatz zwischen 4,4 und 5,2 Milliarden US-Dollar. Durch die Corona-Krise wirkt dieser optimistische Ansatz nahezu nicht erreichbar. Die Zukunftsaussichten sind dennoch aufgrund der 5G-Modem-Sparte ziemlich positiv. 

Die Qualcomm-Aktie liegt aktuell bei 60€ (Stand 05. April 2020). Aufgrund der Corona-Krise musste Qualcomm einen Verlust von ca. 20€ pro Aktie akzeptieren. Die Aktie selbst verzeichnete in den letzten Jahren immer wieder starke Schwankungen, ist primär allerdings weiter gewachsen und hat zuletzt einen Höhepunkt von 80€ erreicht.

Kopin Corporation stellt Microdisplays her

Die Kopin Corporation ist ein in Amerika ansässiger Elektronikhersteller, welcher primär für seine Mikrodisplays bekannt ist. Das Unternehmen arbeitet mit einer Technologie für Mikrodisplays, die unter anderem in diversen Smart Glasses wie der Google Enterprise Edition oder der Solos-Glasses. Die Mikrodisplay-Technologie konzentriert sich auf militärisch- und industrieorientierte Anwendungen.

 Das börsennotierte Unternehmen schrieb in den letzten Jahren rote Zahlen. Die finanziell schlechte Situation kennzeichnete ebenfalls einen langfristigen Absturz der Kopie-Aktie. Trotzdem zeigt sich der Hersteller optimistisch und setzt den Fokus auf Wearables und deren Potenzial. 

Das Wearables aktuell noch nicht im Fokus des Verbrauchers stehen, spiegelt sich in den Zahlen von Kopin wieder. Trotz namenhafter Kunden wie Google oder Vuzix schreibt das Unternehmen seit einigen Jahren hohe Verluste. Bei einem Jahresumsatz (2019) von zuletzt 29,52 Millionen US-Dollar machte Kopin einen Nettoverlust von 29,37 Millionen US-Dollar. Auch in den Jahren zuvor waren die Nettoverluste entsprechend hoch: 2018 34,48 Millionen US-Dollar Verlust und 2017 25,24 Millionen US-Dollar. Mehr als 13 Millionen US-Dollar steckte Kopin 2019 in Aufwendungen für Forschung und Entwicklung.

Zuletzt konnte sich Kopin durch Investoren über Wasser halten. Das Unternehmen verzeichnet ein insgesamt eingezahltes Kapital von 344 Millionen US-Dollar.

Die roten Zahlen kennzeichnen sich in der Aktie wieder. Stand heute(13. April 2020) liegt die Aktie bei einem Preis von 0,32 Euro. Die Kopie-Aktie sinkt seit Jahren und lag Mitte 2019 erstmals bei weniger als einem Euro. Ein Wachstumstrend ist schwer vorhersehbar und müsste im Einklang von Gewinnen einhergehen. 

zukünftige Unternehmen am Markt

UnternehmenBrilleGewinn 2019Kosten F. u. E. 2019Fokus Smartglasses
Appleaktuell keine Brille55,3 Milliarden US-Dollar16 Milliarden US-DollarMinimal
Facebookaktuell keine Brille18 Milliarden US-Dollar13 Milliarden US-DollarMinimal
BoschBML500P (zukünftig)nicht börsennotiertnicht börsennotiertMinimal

Apple: Der Launch einer möglichen AR-Brille

Schon seit geraumer Zeit tauchen vermehrt Gerüchte über eine mögliche AR-Brille von Apple auf. Vertrauten Quellen und diversen Patenten zur Folge ist es äußerst wahrscheinlich, dass der Technikkonzern bereits an der Konstruktion einer möglichen Apple-Brille arbeitet. Letztendlich schließen folgende Informationen auf eine aktuelle Entwicklung einer Apple-Brille:

  • Kauf von Unternehmen – Stillschweigend verschluckt Apple seit einigen Jahren Augmented-Reality Unternehmen und Start Ups der Szene. Die aufgekauften Patente und Technologien realisieren den Fokus auf eine AR-Brille umso mehr. Allein im Jahr 2017 kauft Apple “Vrvana” und den deutschen Eyetracking-Spezialisten “Sensomotoric”. 
  • Anmeldung von Patenten – Des Weiteren sichert Apple Technologie und Schutzrechte an einer möglichen AR-Brille durch die Anmeldung diverser Patente. In diesem Kontext meldet Apple beispielsweise ein Patent für diverse, versteckte Sensoren sowie ein zur Brille passendes Soundsystem im Mai 2019. 
  • Apple-Analyst Ming-Chi Kuo deutete Ende letzen Jahres darauf hin, dass die smarte Brille von Apple bereits im zweiten Quartal 2020 kommen wird. Ihm zufolge befinde sich Apple bereits heute in der Massenproduktion einer möglichen Smart Glasses. 
  • Die neuesten Gerüchte, unter anderem von vertrauenswürdigen Quellen wie “The Information” oder “Bloomberg” deuten auf einen Verkaufsstart im Jahr 2023 hin. Diese Pläne soll Apple seinen Mitarbeitern vor kurzer Zeit nahgelegt haben. Heute sind die se Gerüchte der aktuellste Stand zur Entwicklung der Apple-Brille.

Facebook: Der Launch einer möglichen AR-Brille

Gerade Facebook wird seit einigen Jahren immer häufiger mit dem Bau einer möglichen AR-Brille in Verbindung gebracht. Der Technikkonzern rund um Mark Zuckerberg zeigt sich seit langem äußerst optimistisch gegenüber Aumgented-Realtiy und AR-Brillen. Es erscheint der Eindruck, dass Facebook neben Apple, Google und Co. bei den Elektronikgeräten der Zukunft unbedingt mitmischen möchte. 

  • Der Technikgigant Facebook sichert sich seit einigen Jahren bestimmte Patente, Rechte und Technologien bezüglich einer smarten Brille. Erst vor kurzem übernahm Facebook das AR-Start Up “Scope Technologies” für rund 40 Millionen US-Dollar. Damit rüstet Facebook seine AR-Cloud um ein Computer-Vision-System weiter aus. Auch im Jahr 2019 kaufte Facebook das Start Up CTRL-Laps und gewann damit weitere, relevante Mixed-Reality Kenntnisse.
  • Patente: Ein Großteil der Patente, die Facebook 2019 unter der Kategorie “optische Elemente” angemeldet hat, knüpfen an einen möglichen Heads-Up Display an. Dieser wird primär für AR-Brillentechnologie genutzt. 
  • Zuletzt erklärte XR-Forschungschef Michael Abrash gegenüber “The Information”, dass der Bau einer technologisch überzeugende AR-Brille seiner Überzeugung noch 5 bis 10 Jahre andauern würde. Abrash soll bei Facebook maßgeblich an der Entwicklung einer AR-Brille beteiligt sein.

'Eine Frage zwischen Kapital und Innovation'

So manch ein Anleger würde die These “smarte Brillen werden das Smartphone  in Zukunft ersetzen”,  nicht nur als realitätsfern, sondern auch als abstoßend empfinden. Zurecht, diese Prophezeiung ist in einer Welt, in der mehr als 2,5 Milliarden Menschen ein Smartphone besitzen, ziemlich unrealistisch. Diese Menschen hätten es vor 15 Jahren übrigens auch als abstoßend empfunden, in Aktien von Apple oder Amazon zu investieren. 

Fakt ist doch: Die Technologie wächst Tag für Tag und gilt als eine der fortschrittlichsten Wissenschaften weltweit. Das Smartphone glänzt primär durch Display, Touchscreen, Leistung und Komfort. Genau diese Komponenten können smarte Brillen bei genügend technologischen Fortschritt in naher Zukunft ebenfalls leisten. Smart Glasses könnten sogar mehrere und viel größere Bildschirme in unserem Sichtfeld platzieren. Durch Augmented- und Mixed-Reality werden virtuelle und reale Welt verbunden. Das eröffnet neue Möglichkeiten und macht die smarte Brille für die Zukunft so interessant. 

Entscheidend für eine erfolgreiche Brille ist letztendlich der Entwicklungsfortschritt. Um den Verbraucher zu überzeugen, müssen Funktionalität, Leistung und Akku  in einem schlankem Design perfekt zusammen spielen. Die Rechnung ist simple: Es ist grundsätzlich wahrscheinlicher, dass dieses Ergebnis eher 3000 Forschern von Apple als nur 100 Forschern bei Vuzix gelingen wird. Dennoch zeigen viele Ideen und Projekte dieser mittelständigen Unternehmen viel Potenzial und Innovation.